100 Jahre Landwirtschaftskammer Niederösterreich

Interviews mit Zeitzeugen

Seit 100 Jahren besteht die Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Damals am 22. Februar 1922 in Wien gegründet, hat sie heute ihren Sitz in der Landeshauptstadt St. Pölten eingenommen. Bis dahin, war es ein langer Weg mit bewegter Geschichte.

Johannes Schmuckenschlager und Rudolf Schwarzböck

Lebensnotwendig: Dialog mit der Gesellschaft

Rudolf Schwarzböck und Johannes Schmuckenschlager sind sich absolut einig: Die Kommunikation mit der Gesellschaft ist lebenswichtig für das Überleben des Bauernstandes. Beide Politiker und Interessenvertreter haben sehr jung den Weg in Kammer und Politik gefunden, beide stammen aus der Umgebung der Großstadt Wien und beide sind Bauern mit Leib und Seele. Rudolf Schwarzböck leitete die Landwirtschaftskammer zwanzig Jahre lang und hat in diesem Zeitraum bedeutende Meilensteine gesetzt: Übersiedlung von Wien nach St. Pölten, Strukturreform mit Reduktion der Bezirksbauernkammern, Urabstimmung über die Pflichtmitgliedschaft und, auf Bundesebene angelangt, sein „Ja“ zum EU-Beitritt, um nur die wichtigsten zu nennen. Johannes Schmuckenschlager führt seit Ende 2018 die Landwirtschaftskammer, schlug 2020 eine sehr erfolgreiche Wahl und setzt voll auf Kommunikation: „Wir müssen der Gesellschaft die Landwirtschaft verständlich machen.“

Johanna Mikl-Leitner und Erwin Pröll

LK NÖ: Sicherer Handlauf für Bäuerinnen und Bauern

Sie stammen beide aus der Grenzregion und haben beide direkte bzw. indirekte agrarische Wurzeln. Beide widmeten ihre akademische Abschlussarbeit den Veränderungen und Chancen im Land und beide leiteten bzw. leiten das Agrarland Nummer 1 als Landeshauptmann bzw. Landeshauptfrau. Dr. Erwin Pröll und Mag.a Johanna Mikl-Leitner repräsentieren zwei Generationen eines ungebrochenen Aufstiegs unter ihrer jeweiligen Verantwortung; eines Aufstiegs, der nicht nur auf urbane Räume, sondern auch und vor allem auf die Regionen setzte. Pröll und Mikl-Leitner können dabei auf eine beachtliche persönliche Erfolgsbilanz blicken. Die beiden Landeshauptleute sind auch das lebende Beispiel für das erfolgreiche Miteinander von Interessenvertretung und Regierung, von Landwirtschaftskammer und Land Niederösterreich; ein verantwortungsvolles Miteinander, das auch noch in den kommenden 100 Jahren das Handeln beider Seiten bestimmen wird.

Stephan Pernkopf und Hermann Schultes

Bauernbund: Verantwortung seit 100 Jahren

„Der NÖ Bauernbund ist die einzige politische Kraft, die seit 1922, also von Anfang an ununterbrochen in der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Verantwortung getragen hat.“, beschreibt Bauernbundobmann und LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf die Rolle der seit 100 Jahren mit Abstand größten Fraktion in der LK Niederösterreich. Sein Vorgänger, Ing. Hermann Schultes, der als Spitzenkandidat des Bauernbundes insgesamt drei Kammerwahlen schlug (2005, 2010 und 2015), ergänzt: „Der Bauernbund bindet jede Bäuerin und jeden Bauern über einen demokratischen Meinungsfindungsprozess in die Verantwortung ein.“ „Für die Zukunft gilt es, die Produktion in Österreich zu halten, wozu es auch adäquater Rahmenbedingungen bedarf“, weiß Pernkopf. Schultes sieht es zudem als eine wesentliche Zukunftsaufgabe der Landwirtschaftskammer an, „die Landwirtschaft der Gesellschaft sehr gut zu erklären."

Franz Raab und Gottfried Holzer

Eine Zeit, die Mut zur Reform brauchte „Ecclesia semper reformanda.“

Dieses Zitat wird dem Hl. Augustinus zugeschrieben und meint, dass die Kirche stetig reformiert werden müsse. Zum identischen Schluss für die Landwirtschaftskammer kommen in ihrem Gespräch Dr. Gottfried Holzer und Dipl.-Ing. Franz Raab, die in den letzten 40 Jahren als Direktoren die Geschicke der LK Niederösterreich wesentlich mitgestaltet haben. In die Ära Holzer (1992 bis 2008) fielen Meilensteine, wie der EU-Beitritt, die Urabstimmung über die Landwirtschaftskammer, der Umzug von Wien nach St. Pölten samt Neubau des Kammergebäudes und tiefgreifende Organisationsreformen, sowohl in der Zentrale als auch in den Bezirkskammern. Franz Raab (seit 2008) setzte weitere gründliche Reformschritte, um Kammer und Mitglieder für die Herausforderung der Digitalisierung optimal zu rüsten. Das betrifft sowohl neue Wege der Kommunikation, wie Social Media, als auch die Vorbereitung der Betriebe auf brennende Fragen der Gesellschaft.

Irene Neumann-Hartberger und Theresia Meier

Bäuerinnen: Die Kraft der Gemeinschaft

„Die Rolle der Frau und die Rolle der Bäuerin haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert“, stellten Theresia Meier und Irene Neumann-Hartberger, zwei niederösterreichische Bäuerinnen in bundesweiten Spitzenämtern, gemeinsam fest und beiden Damen hatten und haben an dieser Veränderung wesentlichen Anteil. Neumann-Hartberger bewerkstelligt dies an der Spitze der Bäuerinnenorganisation: seit 2015 als Landes- und seit 2020 auch als Bundesbäuerin. Neumann-Hartberger setzte wichtige Akzente, beispielsweise mit der „Charta zur partnerschaftlichen Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft“, die ursprünglich in Niederösterreich entstanden ist. Theresia Meier war in der Geschichte der LK Niederösterreich die zweite Vizepräsidentin und in der Geschichte der mittlerweile fusionierten SVB (Sozialversicherung der Bauern) die erste Obfrau. Nun fungiert sie in der neuen SVS, der Sozialversicherung der Selbständigen, als Obmannstellvertreterin. Beide Interessenvertreterinnen nehmen in ihren jeweiligen Funktionen politische Verantwortung wahr, „um unsere bäuerlichen Familien zu sichern.“

Reinhard Polsterer und Harald Hochedlinger

Landjugend: Eine Organisation, die nach vorne schaut

„Die Bauern brauchen das Dorf und das Dorf braucht die Bauern“, beschreibt der frühere Landesobmann der Landjugend Niederösterreich und jetzige Geschäftsführer Ing. Reinhard Polsterer jene Symbiose, die ein Dorf lebendig erhält. Einen wesentlichen Anteil am Gelingen dieses Zusammenlebens, dieses Miteinanders hat die Landjugend. Denn in ihr sind nicht nur junge Bäuerinnen und Bauern vertreten, sondern Jugendliche aus allen Berufsgruppen. Harald Hochedlinger, gelernter Elektriker, ebenfalls früherer Landesobmann der Landjugend und heute Jungbauer, schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er sagt: „Nur zu kritisieren, nur Fehler aufzuzeigen, bringt keine Lösung.“ Deshalb setzt die Landjugend im ganzen Land konkrete Projekte um. Beispiel: Am Projektmarathon haben allein in den letzten Jahren Landjugendgruppen aus mehr als 130 Gemeinden teilgenommen und ihre Dörfer lebenswerter gemacht. Aber auch der Klimawandel, die Kommunikation mit der Gesellschaft und das Engagement für sozial Benachteiligte sind Schwerpunkte der Landjugendarbeit.

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